Spektakuläre Gipfel, entstanden im Lauf der Zeit
Die Dolomiten bestehen aus verschiedenen Gebirgssystemen, die eine außergewöhnliche geomorphologische Einheit darstellen. Das vielfältige Erscheinungsbild des Gebirges aus Türmen, Felsnadeln, Zinnen, Kalk- und Dolomitwänden, Jöchern, vulkanischen Felsburgen, sanften Geländeformen, Schuttfächern, Bergsturzmassen, Verebnungen, Seen und Schluchten hat seinen Ursprung in der komplexen geologischen Struktur und in den vergangenen beziehungsweise aktuellen klimatischen Bedingungen. Zum Verständnis dieser Geländeformen gilt es, sowohl ihre morphologische Vielfalt als auch die Entwicklungsgeschichte selbst zu betrachten. Die Monumentalität, Ursprünglichkeit und das spektakuläre Erscheinungsbild der Dolomiten sind weltweit einmalig: Es handelt sich in erster Linie um Strukturen, die an alte und junge Krustenbewegungen (zum Beispiel tektonische Bruchflächen, von Klüften durchzogene Grate, Flusseinschnitte) oder an unterschiedliche Gesteine (hoch aufragende Felswände, sanfte, mit Gras bewachsene Böden, Verebnungen) gebunden sind.
Diese und andere Landschaftsformen sind aus wissenschaftlicher und didaktischer Sicht äußerst lehrreich und sind solche, die an heutige Klimabedingungen und jene der geologischen Vergangenheit gebunden sind. Es finden sich Zeugen aus der Zeit vor der Eiszeit und den Zwischeneiszeiten, nämlich glaziale Erosions- und Ablagerungsformen: abgeschürfte Felsrücken (Rundhöcker), alte Täler, Kare, Moränenablagerungen, Spuren alter gefrorener Böden oder Hinweise auf Gletscherauflastdruck. Die Landschaftsformen, die die heutigen klimatischen Bedingungen widerspiegeln, sind im Hochgebirge durch Prozesse wie Frost-Tauwechsel und die Schwerkraft geprägt: es bilden sich Hangschutt, Schuttkegel und -wälle, Grobblockschutt, Blockgletscher und Lawinenschuttkegel.
In dieser morphologischen Vielfalt und Komplexität spielen besonders durch die Schwerkraft bedingte Massenbewegungen eine zentrale Rolle, die mittlerweile auch durch internationale, wissenschaftliche Fachliteratur bekannt geworden sind. Demgegenüber sind Karstphänomene von eher lokaler Bedeutung: Es findet sich sowohl oberirdischer Karst in Form von Rillen, Dolinen oder Quellen als auch unterirdischer Karst, wie beispielsweise Höhlen oder schlauchförmige Hohlformen (Schlote).
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Dolomiten ein Feldlabor von außergewöhnlichem geomorphologischen Reichtum und globaler Relevanz darstellen, leicht zugänglich und daher ideal sind für Forschungszwecke, Unterrichtslehre und zur Weiterentwicklung von erdwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten.