Weltweit gelten die Dolomiten als Beispiel für die Ästhetik des Erhabenen, eine philosophische Richtung, die sich in den Jahren unmittelbar vor ihrer „Entdeckung“ entwickelte. Die Dolomiten wurden ein Modell von grundlegender Bedeutung für diese Denkrichtung und trugen so zur Definition des modernen Begriffs von Naturschönheit bei. Die allerersten Abbildungen dieser Berge waren keine Zeichnungen oder Malereien, sondern Beschreibungen - Worte, die von außergewöhnlichen Visionen und mächtigen Gefühlen erzählten. Sie beseelten den Geist und leiteten mit fast unwiderstehlicher Kraft die ersten wissenschaftlichen Berichte und Reisebeschreibungen ein. Die Worte, mit denen man dem Charakter der Dolomiten Ausdruck verlieh, entsprechen genau den Kategorien des Erhabenen: Vertikalität, Großartigkeit, Monumentalität, unruhige Formen, essenzielle Reinheit, Intensität der Farben, Staunen, mystische Askese, Transzendenz. Das Thema des Erhabenen ist sehr wichtig, handelt es sich doch um eine Kategorie der Naturästhetik. Im berühmten Red book von John Murray (der erste englischsprachige Reiseführer aus dem Jahr 1837) wird die Dolomitenlandschaft mit dem Adjektiv „erhaben“ beschrieben: „Insgesamt verleihen sie der Landschaft eine Originalität und erhabene Grandiosität, die nur derjenige vollständig würdigen kann, der sie gesehen hat“.